Vom analogen Bestandsplan über AutoCAD® nach
SICAD.

Die Umstellung von analogen Bestandsplänen auf ein modernes Netzinformationssystem
ist nur möglich durch eine fachgerechte, qualifizierte Vorkartierung.


Grundsätzliches:
Die nachstehend beschriebene Abhandlung zur Erfassung eines Gas- oder Wasserleitungsnetzes beschränkt sich auf die wesentlichsten Punkte.
Auf eine vollständige und detaillierte Beschreibung wurde hier verzichtet.
Hinzu kommt, dass die Gegebenheiten von Ortsnetz zu Ortsnetz sehr unterschiedlich sein können.
Letztendlich sind die Vorgaben des Auftraggebers entscheidend. 


Was versteht man unter einer "Vorkartierung"?
Eine abgeschlossene Vorkartierung beinhaltet die lückenlose Darstellung der zu erfassenden Betriebsmittel des Netzbetreibers.


Die "Vorkartierung", digital oder analog?
Unter der Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte sollte die Vorkartierung
in einer digitalen Form erstellt werden.
Konstruktionsprogramme z.B. AutoCAD® oder Autodesk Map® sind für diese Arbeit
bestens geeignet.
Die Konvertierung der Daten nach SICAD ist über die in AutoCAD enthaltene
DXF-Schnittstelle möglich. Spezielle Konvertierungsprogramme setzen die DXF-Daten
in das für SICAD lesbare SQD-Datenaustauschformat um.
Dadurch entfällt eine zeitaufwändige Konstruktion oder Abdigitalisierung mittels
Linienverfolgung am SICAD-Arbeitsplatz.


Vorbereitungen zur Ersterfassung des Leitungsnetzes:
● Zusammenführen aller vorhandenen gemessenen Leitungs- und Topographiedaten.
● Überprüfung der Topografiedaten auf Vollständigkeit.
Eventuell Nachmessungen veranlassen und / oder ALK-Daten zur Vervollständigung heranziehen.
Zusammenstellung der konstruierbaren Unterlagen. 
● Längsverlegungen werden Straßenweise geordnet.
● Hausanschlüsse, ihrer Hausnummer entsprechend steigend, den jeweiligen Straßen zugeordnet.
Zu den konstruierbaren Unterlagen gehört das vorhandene Planwerk
(meistens in unterschiedlichen Maßstäben),
Übersichten, Detailzeichnungen von Stationen und Einbindungen, Leitungsquerschnitte, Straßenzugspläne.
Unterlagen aus den Bauphasen der Leitungen, zum Beispiel:
Tachymeteraufnahmen der Einmessungen von Versorgungs- und Hausanschlussleitungen,
manuell erstellte
Einmessskizzen von Versorgungs- und Hausanschlussleitungen und Einmessskizzen der Armaturen.
Rohrbücher und Schweißprotokolle sind weitere wichtige Informationsquellen.
Unterlagen von "historischen Leitungen" sollten nicht außer Acht gelassen werden da auch sie zu dem Anlagevermögen der Netzbetreibers gehören.


Zusammenstellung der Sachdaten:
Sachdaten sind detaillierte Informationen ohne grafische Ausprägung zu den 
Leitungen, 
den Bauteilen (z. B. T-Stücke, Werkkrümmer, Dehener),
den Armaturen (z. B. Fabrikate und Baureihennummer der Schieber, Ausbläser, Odorkontrollstellen),
den Odoriermittel (Hersteller und Typ) den Betriebsdruckstufen, u.s.w.
Besonders zu  erwähnen sind:
Angaben zu den Leitungen wie Baujahr, Querschnitt, Material,
Außenisolierung und Art der Verbindung.
Angaben zu den Übergabestationen (z.B. Durchflussmengen, Odorierung).
Hausanschluss-Datenblätter enthalten eine Vielzahl von Angaben,
und sind daher bei der Erfassung unbedingt zu berücksichtigen.
Hinweis:
Die Projektakten der jeweiligen Baumaßnahme können zur Feststellung der verwendeten Materialien und dem Zeitpunkt der Verlegung herangezogen werden. 
Wichtig!
Die in diesem Abschnitt beschriebenen Sachdaten sind in den Ordnern der konstruierbaren Unterlagen den entsprechenden Objekten zuzuordnen.


Die "Vorkartierung" am CAD - Arbeitsplatz.
Das Erfassen der Leitungen erfolgt nun aus den aufbereiteten Unterlagen, unter Berücksichtigung aller zusammengestellter Informationen. Die zuvor genannten Sortierkriterien sollten zwingend eingehalten werden, nur so ist eine zügige, rationelle und vollständige Dokumentation gewährleistet.
Die Versorgungsleitungen werden zuerst erfasst.
Um fehlerhafte Leitungsverbindungen auszuschließen ist es wichtig, dass die
grafische Ausprägung der Leitungen einen Rückschluss auf den Leitungstyp zulässt.
Mögliche Gas-Leitungstypen sind:
Versorgungsleitungen im Hoch-, Mittel-, und Niederdruck.
Hausanschlussleitungen im Hoch-, Mittel-, und Niederdruck.
Nach Fertigstellung der gesamten "Netzlogik" werden die Hausanschlussleitungen kartiert. 
In unschlüssigen Situationen z.B. widersprüchliche oder unvollständige Angaben ist Rücksprache mit zuständigen Fachpersonal zu nehmen.
Sollten keine verwertbaren Unterlagen zu Leitungsabschnitten vorliegen, so kann
z. B. durch Ortung der Leitung, Nachmessung von sichtbaren Aufbrüchen oder Feststellung der Hauseinführstelle die ungefähre Lage der Leitung ermittelt werden.
Stillgelegte Leitungen werden mit einem entsprechenden Linientyp dargestellt.


Die Qualitätskontrolle.
Voraussetzung zur Kontrolle des Projekts ist die Erstellung flächendeckender Plots.
Kontrolliert werden:
● Vollständigkeit der Leitungsinformationen, d. H. an jedem "Wechsel"
2 Leitungsbezeichnungen
an jedem T-Stück 3 Leitungsbezeichnungen. Die Beschriftung der Hausanschlußleitungen
ist in dem jeweiligen Gebäude zu platzieren. 
Sollte sich die Hausanschlussleitung blattübergreifend kartieren, so ist eine
zusätzliche Beschriftung der Leitung auf dem zugehörigen Blatt notwendig.
● Die Bemaßung:
Im "Idealfall" Leitungen, Gebäudebestand und umgebende Topographie
sind aus einer Messung, kann die Bemaßung am Rechner erzeugt werden.
Zu bemaßen sind:
Hauseinführungen, Einbindepunkte, Armaturen und Leitungsknickpunkte.
In den Bereichen, in denen die konstruierbaren Unterlagen in das Planwerk
übernommen wurden, sind auch nur diese, als sicher geltende Maße, zu erzeugen.
Die Kontrolle der Maßzahl der digitalen Vorkartierung ist im Gegensatz
zu einer analogen Vorkartierung nicht notwendig.
Übertragungsfehler sind ausgeschlossen.
● Vollständigkeit der Straßennamen und der Hausnummern.
● Weitere Einzelheiten sind den Digitalisiervorschriften, vom Versorgungsunternehmen
vorgegebene Richtlinien zur Ersterfassung in SICAD, zu entnehmen.
● Eine Überprüfung möglicher zusätzlicher Anschlüsse über einen Abgleich
mit der Kundendatei des Netzbetreibers ist zu empfehlen.